DVV COBURG I - FT SCHWEINFURT 0:5 (0:4)
Früher Rückstand bricht Widerstand
Der DVV Coburg kommt einfach nicht in die Gänge. Nach dem Remis gegen Neudrossenfeld und dem ersten Dreierpack in Aubstadt, peilten die Vestestädter im vierten Anlauf ihren ersten Heimerfolg an. Doch der Schuss ging brutal nach hinten los. Zum wiederholten Male löste ein früher Rückstand eine regelrechte Schockstarre aus, die die cleveren Gäste aus der Kugellagerstadt regelrecht zum Toreschießen einlud. Coburg gelang auch in der Vorwärtsbewegung nur wenig, so dass die gewachsene Truppe des Widersachers, die in dieser Serie schon einige Spitzenmannschaften ärgerte, bis zum Seitenwechsel alles klar machte. Bei der Heimelf zahlten einige Nachwuchsspieler bitteres Lehrgeld und auch erfahrene Akteure blieben erschreckend farblos. Das Fehlen des an Rückenbeschwerden laborierenden zentralen Mittelfeldmotors Michael Leffer, konnte in keinster Weise kompensiert werden. Am kommenden Samstag müssen die Jungs von Stefan Braungardt im Kellerduell beim FC Viktoria Kahl mit einer anderen Einstellung auflaufen, um einen weiteren Talrutsch zu verhindern. Die FT Schweinfurt scheint dagegen in dieser Serie das Potential zu besitzen, sich dauerhaft in der oberen Tabellenhälfte einzunisten. Nach kurzem Abtasten kam es für die Hausherren knüppeldick. Nach einem Missverständnis auf der linken Abwehrseite, schnappte sich Michael Mantel das Leder. Zwei Querpässe über Moritz Diemer und Marcel Hartmann landeten genau im Lauf von Anthony Bringley, der wenig Mühe hatte aus zehn Metern zum 0:1 zu vollenden. Das taktische Konzept von Heimcoach Braungardt war durchkreuzt. Seine Viererkette wirkte fortan konzeptlos und vermochte sich überhaupt nicht auf die Wirbelwinde Diemer, Hartmann und Bringley einzustellen. Zweimal verfehlte Hartmann sein Ziel aus spitzem Winkel knapp. Ein Hinterhaltschuss von Benjamin Freund zischte um Zentimeter am Pfosten vorbei. Mit raumgreifenden Anspielen und fächerartigem Ausschwärmen lag ein Ausbau der Führung nahe. Die erste nennenswerte Aktion der DVVler verzeichnete Youngster Dominik Stahnke (27.) mit einem strammen Freistoß aus 22 Metern, den Keeper Dominik Biemer mit einem starken Reflex zur Ecke abwehrte. Plötzlich lag der Ausgleich in der Luft. Als Jakob Engelmann aus halblinker Position abzog, warf sich Henry Stenzinger in die Schussbahn und verhinderte einen Einschlag. Pech hatte der von Gökhan Sener bediente Kapitän David Reich (30.), dessen Kopfstoß Biemer mit den Fingerspitzen an den Pfosten lenkte. Das kurze Aufbäumen verpuffte und die leichtfüßiger und spritziger wirkenden Unterfranken schlugen eiskalt zu. Nach einem Pressschlag an der Mittellinie, fühlte sich keiner für den auf und davon gehenden Bringley (33.) zuständig, der von der Strafraumgrenze knallhart zum 0:2 einlochte. Einen Flügelwechsel von Bringley über 50 Meter verlängerte Hartmann auf Ercan Öztürk (41.), der ohne Gegenwehr zum 0:3 abtropfen ließ. Wieder nach einem lange Diagonalpass, diesmal von Daniel Hämmerlein, stand Hartmann mutterseelenallein vor Bauer und staubte aus kurzer Distanz ab (45.). Im zweiten Durchgang war die Luft raus. Das Team von Ernst Geling beschränkte sich auf das Verwalten seines komfortablen Vorsprungs und machte die Räume in seiner Hälfte eng. Dem DVV fehlten die fußballerischen Mittel, die nötige Raumaufteilung und die Laufbereitschaft, um sich ernsthaft aufzubäumen. Die Partie plätscherte ohne jegliche Höhepunkte dahin. Das 0:5 in der Schlussminute war symptomatisch für das was sich vorher abspielte. Bei einem Freistoß von Dominik Ebert nahm der in der Mauer stehende Murat Kirtay beide Hände zu Hilfe. Den fälligen Elfmeter versenkte Hartmann unhaltbar.
Stefan Braungardt (DVV Coburg): "Wir haben uns viel vorgenommen, aber fast nichts umgesetzt. Das frühe 0:1 war Gift für uns, entschuldigt aber nicht, wie wir danach phasenweise auftraten. Ich fühle mich von einigen Spielern in Stich gelassen. Schweinfurt musste nur auf Böcke von uns warten, um zu Toren zu kommen. Wir stehen hinten meilenweit weg von unseren Gegenspielern. Das grenzt schon an Selbstaufgabe.
Ernst Geling (FT Schweinfurt): "Coburg stand mit dem Rücken zur Wand und spielte uns in die Karten. Die Mannschaft von meinem Freund Stefan Braungardt hätte durchaus vor dem 2:0 das 1:1 erzielen können. Danach ist es bei uns gelaufen. Ich habe Mitgefühl mit der Heimelf, die eigentlich teilweise gute Ansätze zeigte.
Unser Reporter vor Ort: Hans Haberzettl