DVV Coburg I - FVgg Bayern Kitzingen 1:1 (1:1)

Eine starke erste Halbzeit genügte nicht

Der DVV Coburg findet einfach keinen Ausweg aus seiner Misere. Im Heimspiel gegen den biederen Aufsteiger Bayern Kitzingen mussten sich die Vestestädter mit einem unbefriedigenden 1:1-Unentschieden begnügen. Die Lage wird immer bedrohlicher, da die meisten Konkurrenten im Tabellenkeller in ihren letzten drei Begegnungen auch zu teilweise unerhofften Punktgewinnen kamen. Die Ausbeute der mit viel Vorschusslorbeeren in die Serie gestarteten Braungardt-Schützlinge mutet dagegen mit zehn Zählern in 14 Begegnungen unterirdisch an. Dabei hatte es gegen die Unterfranken ganz anders kommen können, denn die Hausherren legten eine erste Halbzeit von ihrer besseren Sorte hin. Bis zum Pausenpfiff hätte das Ganze eigentlich in trockenen Tüchern sein müssen, doch ein gravierender Lapsus von Ersatztorwart Onur Thompson bei einem der wenigen gegnerischen Schussversuche brachte die Bayern unverdientermaßen in Front. Zwar gelang Tobias Dalke rechtzeitig der Ausgleich, doch wie schon mehrere Male bei Heimspielen kamen die DVVler nach dem Pausentee mit Scheuklappen aus der Kabine. Sie verkrampften immer mehr und wurden im Spielaufbau immer konfuser, so dass die nun immer sicherer werdende Abwehr des Widersachers nur noch vor wenige kniffelige Situationen gestellt wurde. Hätte der Aufsteiger, der als Joker einige vorher verletzte Stammspieler brachte, seine wenigen Konter in den Schlussminuten zielstrebiger zu Ende gefahren, hätte er sogar als Sieger vom Platz gehen können. Doch das wäre angesichts dessen, was er über weite Strecken an Passivität im Angriff ablieferte, des Guten zu viel gewesen. Coburg wollte von Beginn an die Vorgaben von Stefan Braungardt umsetzen. Öffnende Pässe, schnelle Attacken über die Außenbahnen und ein hohes Maß an Laufbereitschaft sorgten für ein deutliches Übergewicht und Einschussmöglichkeiten. Nach einem zu kurz abgewehrten Eckball kam Dalke (5.) am Elfmeterpunkt frei zum Schuss. Keeper Stefan Röser, der über die gesamte Spielzeit Souveränität ausstrahlte, verhinderte mit einem tollen Reflex den Einschlag. Als der einsatzfreudige Simon Sommer (9.) Ertan Sener mit einem Steilpass bediente und dieser quer auf Timo Jahrsdörfer passte, lag die Führung erneut in der Luft. Doch der Goalgetter, der seinen Körper nicht richtig hinter den Ball brachte, verstolperte aus kurzer Distanz. Wie die Jungfrau zum Kind gelangte Kitzingen zur Führung. Ein harmloses Schüsschen von Tolga Arayici klatschte Thompson genau vor die Füße von Andre Heunisch (31.). und der staubte mühelos zum 0:1 ab. Die Reihe verhängnisvoller Torwartfehler setzte sich fort. Noch war Coburg mental im Vollbesitz seiner Kräfte. Eine knallharte Ecke des bis dahin äußert effektiven Jakob Engelmann wuchtete Dalke (41.) mit der Stirn zum längst fälligen 1:1-Ausgleich unhaltbar in den Winkel. Jahrsdörfer (44.) hätte die Weichen beinahe auf Sieg gestellt. Nach einer feinen Kombination von Ata Simitci über Jakob Engelmann segelte er völlig freistehend um Zentimeter am Leder vorbei. Bei einem weiteren flink vorgetragenen Angriff verfehlte Dominik Stahnke sein Ziel nur knapp. Bis etwa zur 60. Minute durften die Coburger Fans noch guten Mutes sein. Ein abgefälschter Freistoß von Jakob Engelmann zischte knapp über die Querlatte. Nach einem finalen Sener-Pass stand Jahrsdörfer mutterseelenallein vor Röser, blieb aber an diesem hängen. Im Anschluss an ein energisches Solo in den Strafraum strich ein Gewaltschuss von Sommer am Aluminium vorbei. Danach verfiel der DVV wieder in sein altes Leiden. Die Körpersprache stimmte nicht mehr. Zu viele Schnörkel sowie ungenaue oder zu späte Abspiele mündeten in eine totale Konzeptlosigkeit. Vorherige Tugenden schienen wie weggeblasen. Als die Coburger die Viererkette auflösten und es mit der Brechstange versuchten, drohte ihnen sogar noch mehr Unheil. Stefan Güntner (88.) wurde in einschussbereiter Position gerade noch abgeblockt, ebenso erging es Mark Leißing (90.). "Wir fingen heute wirklich gut an. Leider vermochte ich meine Chancen nicht zu verwerten. Einige Male hat ein Tick gefehlt. Wir werden aber dranbleiben und gemeinsam den Karren aus dem Dreck ziehen", lautete das Fazit von Timo Jahrsdörfer. Am kommenden Samstag geht es zum FC Sand, wo es bislang nie etwas zu holen gab. Zum Ende der Vorrunde stehen dann gegen den ASV Rimpar und beim FC Burgkunstadt schicksalhafte Auseinandersetzungen an, nach denen es endgültig heißt: "Quo vadis, DVV?"

Unser Reporter vor Ort: Hans Haberzettl
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