Randnotiz / EINWURF

Fünf und schon ein Chauvi?

Von Silke Spitzenpfeil

Können Frauen Fußball spielen?
„Klar!“, sagen die. „Naja“, sagen die
Männer diplomatisch. „Nein“, sagen
die kleinen Jungs. Political
correctness ist ihnen wurscht. Zumindest
den G-Junioren. Mit fünf
Jahren darf man
verbal noch (fast) alles,
vor allem auf
dem Rasen. Oder
besser: davor. „Eine
Frau als Trainerin?“,
schaut mich mein
Sohn fassungslos
an, als ich das Telefon
auflege und ihm
seine Trainingszeiten
verkünde. Nach der Fußball-
WM will er nämlich unbedingt in
einen Verein und spielen. Sein Ziel:
Spanier werden. Aber von einer
Frau Fußball lernen? „Bääh!“ Der
Freund im Kindergarten verdreht
die Augen: „Da will ich nicht mit!“
Die dritte Mutter, donnerstags am
Spielfeldrand, berichtet Ähnliches:
„Meiner hat sich geweigert zum ersten
Training zu gehen, weil es eine
Frau macht.“ Inzwischen waren sie
alle zwei- bis dreimal dabei. Sie rennen,
kicken, schmeißen sich in den
matschigen Boden und strahlen.
„Mama, ich brauch´ jetzt endlich
Schienbeinschützer!“, beklagt sich
mein Sohn. „Ich bin noch nicht angemeldet“,
beschwert sich der anderer.
Beschwerden über die Trainerin
hören wir Mütter nicht mehr. Hätte
uns auch gewundert. Mit fünf ist
man noch kein Chauvi, oder?


So gesehen bei den G-Junioren des DVV Coburg
Quelle: Neue Presse Coburg vom 18.09.2010

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